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Die Frage nach dem „Genug“ und warum wir daran scheitern

Sam Bankman-Fried, Sohn zweier Professoren und ausgebildeter Physiker, war bereits Millionär, bevor er FTX gründete. Als die Kryptobörse im Jahr 2021 ihren Höhepunkt erreichte, wurde sein Vermögen auf 26,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Er kaufte Penthouses auf den Bahamas, schenkte seinen Eltern und Freunden teure Villen und wollte auf einem 25.000 Quadratmeter großen Gelände einen FTX-Campus mit Hotel, Restaurants und Fitnessstudio bauen. Bankman-Fried lebte ein Leben im Überfluss bis FTX im November 2022 Insolvenz anmeldete. Ihm wurde vorgeworfen, Kundengelder in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung seines verschwenderischen Lebensstils veruntreut zu haben. Schließlich wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Bernie Madoff war der Drahtzieher des wohl bekanntesten Ponzi-Schemas der Neuzeit. Vor seiner Anklage galt er in New York als angesehener Unternehmer. Er leitete ein profitables Brokerhaus mit jährlichen Erlösen in Höhe von 25 bis 50 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2008 wurde Madoff verhaftet und später zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Der einst gefeierte Anlageexperte entpuppte sich als Kopf eines der größten Betrugsskandale der Finanzwelt.

Sam Bankman-Fried und Bernie Madoff sind, so extrem ihre Einzelfälle auch sein mögen, nur zwei Beispiele für Menschen, die trotz enormen Reichtums und gesellschaftlichen Ansehens bereit waren, ihre Freiheit zu riskieren, um noch mehr zu bekommen. Was war ihr Antrieb? Warum streben wir scheinbar immer nach mehr, und wie können wir auch ohne Millionenvermögen erkennen, wann genug ist?

Die Frage nach dem Warum ist entscheidend

Eine zentrale Frage beim Vermögensaufbau lautet: Was ist das Endziel? Wann ist genug? Wie erkennen wir, dass wir unser Ziel erreicht haben? Die Antwort darauf ist persönlich, individuell und in den allermeisten Fällen vielschichtig. Zunächst schafft Geld Sicherheit. Sicherheit, dass unsere existenziellen Bedürfnisse (Hunger, Durst und Schutz entlang der Maslowschen Bedürfnishierarchie) erfüllt werden können.

Sind diese Grundbedürfnisse gedeckt, wird die nächste Stufe an möglichen Zielen vielschichtiger. Sie unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und hängt von Herkunft, Lebensstil und sozialem Umfeld ab. Für manche Menschen bedeutet Wohlstand, ein komfortables Sicherheitspolster auf dem Konto zu haben. Andere definieren ihn über Konsumgüter: das neueste Auto, angesagte Tech-Gadgets oder andere Statussymbole. Wieder andere sehen im Vermögensaufbau den Schlüssel zur finanziellen Freiheit und zur Unabhängigkeit vom klassischen 9-to-5-Alltag, um ihre Zeit selbstbestimmt und frei gestalten zu können.

Für die allermeisten Menschen dient Vermögensaufbau jedoch vor allem der Altersvorsorge. Unser angespartes Vermögen soll sicherstellen, dass wir auch im Ruhestand das Leben führen können, das wir uns wünschen oder an das wir uns während unseres Berufslebens gewöhnt haben. Niemand möchte im Alter auf liebgewonnene Gewohnheiten verzichten.

Wie auch die Ziele aussehen – wichtig ist, sie zu kennen

Bankman-Fried und Madoff hatten durch ihre legalen Geschäfte längst finanzielle Unabhängigkeit erreicht. Dennoch hatten sie sehr wahrscheinlich kein klares Endziel definiert. Ihnen fehlte das Warum. Wer sein Ziel nicht kennt, erkennt auch nicht, wann er es erreicht hat. Auch der soziale Vergleich hilft dabei nicht weiter. Es wird immer Menschen geben, die mehr haben: mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Ansehen. Das gilt unabhängig davon, ob man ein ganz normales Leben führt oder über ein Vermögen wie Bankman-Fried oder Madoff verfügt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, ein für sich persönlich erfüllendes Ziel zu definieren und diesen persönlichen Maßstab für Erfolg nicht ständig an neue Lebensumstände anzupassen. Für die meisten Menschen ist Vermögensaufbau wichtig, aber eben nicht das Wichtigste im Leben. Daher ist es ratsam, nicht alle Ressourcen wie Zeit, Energie und Gesundheit diesem einen Ziel unterzuordnen.

Ein bisschen Hunger schafft Freiheit

Das Hormon Leptin signalisiert unserem Gehirn, dass wir genug gegessen haben. Es steuert Hunger, Sättigung und Energieverbrauch. Menschen mit Leptin-Resistenz essen weiter, auch wenn ihr Körper längst genug Energie gespeichert hat.

John D. Rockefeller wurde 97 Jahre alt. Einer der reichsten Menschen seiner Zeit lebte ein ungewöhnlich langes Leben bis zu seinem Tod im Jahr 1937. Auf die Frage, was das Geheimnis seiner Langlebigkeit sei, antwortete sein Arzt:

„Rockefeller hat den Tisch immer ein wenig hungrig verlassen.“

Ob Rockefeller besonders hohe Leptinwerte hatte oder einfach nur überdurchschnittlich diszipliniert war, ist nicht überliefert.

Sein Beispiel zeigt jedoch, dass wir Gelegenheiten nicht immer bis zum Letzten ausschöpfen müssen. Nicht jede Investition muss den maximal möglichen Ertrag bringen. Die Fähigkeit, das eigene Ziel im Blick zu behalten, zu erkennen, dass wir langsam und nachhaltig Fortschritte machen, und zu akzeptieren, dass „gut genug“ für den Moment oft ausreicht, kann helfen, dem Thema Vermögensaufbau den Druck zu nehmen.

Wir lassen Möglichkeiten nur ungern ungenutzt, insbesondere wenn es sich um finanzielle Vorteile geht. Die wahren Kosten sind jedoch häufig nicht unmittelbar sichtbar. Verlorene Zeit, verpasste Momente oder ein schlechter Gesundheitszustand lassen sich manchmal nicht zurückholen oder reparieren. Es scheint daher, dass derjenige, der mit ein wenig Hunger den Tisch verlässt, häufig glücklicher, zufriedener und sogar erfolgreicher ist als derjenige, dessen Appetit scheinbar unbegrenzt ist.

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