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FOMO – oder warum die besten Investments manchmal die sind, die man verpasst

Wir haben zu wenig Zeit! Für viele Menschen läuft das Leben im Autopilot ab. Vom Aufstehen bis zum Zubettgehen ist unser Tagesablauf minutiös getaktet. Optimierungsversuche und Produktivitätskniffe helfen nur bedingt. Zeit ist ein knappes Gut, die Möglichkeiten, sie zu nutzen, scheinen unendlich zu sein: Serien, Bücher, Reiseziele oder das Herzensprojekt, das wir seit Monaten aufschieben. Wir werden zwangsläufig etwas verpassen. FOMO, „Fear of missing out“, beschreibt genau dieses Gefühl und macht auch vor unseren Finanzen nicht Halt. Ganz im Gegenteil: Ein Freund, der beim Abendessen beinahe beiläufig erwähnt, dass er mit der neuesten Kryptowährung in vier Monaten 20.000 Euro Gewinn erzielt hat, verstärkt die Angst, eine Chance zu verpassen und nicht das Optimum aus der eigenen Situation herauszuholen.

Sozialer Vergleich verstärkt FOMO

Die Lockrufe des schnellen Geldes sind verführerisch, besonders dann, wenn wir miterleben, wie andere scheinbar spielerisch leicht reich werden. Soziale Medien und „Financial Entertainment“ suggerieren, dass es möglich ist, ohne spezielles Wissen, Disziplin oder harter Arbeit eine Abkürzung zu nehmen, um so den langen, mühsamen und mitunter monotonen Weg des Vermögensaufbaus zu umgehen. Alles, was dafür scheinbar notwendig ist: diese eine Aktie, das neue Amazon, Apple oder SpaceX; diese eine Kryptowährung, benannt nach einem Flusspferd; oder das simple Imitieren einer vermeintlich genialen Anlagestrategie eines Finanz-Influencers auf Instagram.

Doch woher kommt das Gefühl, ständig etwas zu verpassen?

Wir Menschen neigen dazu, Entscheidungen zu treffen, die möglichst wenig kognitiven Aufwand erfordern, von unserem sozialen Umfeld akzeptiert werden und uns unmittelbar einen Vorteil versprechen. Gelingt es dabei jemandem, reich zu werden, löst das Unbehagen und Unzufriedenheit aus. Der Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger hat das Phänomen in seinem Buch „Manias, Panics, and Crashes, A History of Financial Crises“ treffend beschrieben:

„Nichts erschüttert das eigene Wohlbefinden und Urteilsvermögen so sehr, wie mitanzusehen, wie ein Freund reich wird.“

Durch soziale Medien beschränkt sich unsere Vergleichsgruppe jedoch nicht mehr auf den engen Kreis von Freunden und Bekannten, sondern ist potenziell die ganze Welt geworden. Eine zentrale Erkenntnis der Studie „The Social Comparison Trap“ aus dem Jahr 2024 ist, dass FOMO einen Prozess in Gang setzt, bei dem wir ständig überprüfen, wie wir im Vergleich zu anderen dastehen. Dieser ständige Vergleich kann zu Unzufriedenheit, Erschöpfung und Depression führen. FOMO scheint zu einem charakteristischen Gefühl unserer Generation geworden zu sein.

Warum FOMO sich manchmal richtig anfühlt

Das Tückische ist, dass das Nachahmen einer „Get-rich-quick“ Strategie sich zunächst intellektuell stimulierend anfühlt: Man recherchiert, vergleicht Informationen, wägt Alternativen ab, trifft schlussendlich aktiv eine Investmententscheidung und nimmt so sein finanzielles Schicksal selbst in die Hand. Doch was auf den ersten Blick wie eine kluge und durchdachte Strategie aussieht, entpuppt sich häufig als Leichtsinn, getrieben von Gier. Wir hoffen auf den schnellen Gewinn und unterschätzen dabei das Risiko. So kann zum Beispiel das zukünftige Gewinnpotenzial einer Aktie durch den bereits erfolgten Kursanstieg ausgereizt sein. Wer einsteigt, weil die Aussicht auf schnelles Geld lockt, hat das Aufwärtspotenzial vielleicht schon verpasst und wird Panik verfallen, sobald eine Kurskorrektur einsetzt. Emotionen lassen sich nie vollständig ausblenden, erst recht nicht, wenn unsere Investitionsentscheidung auf wackeligem Fundament getroffen wurde. Wenn wir festellen, wie der Bitcoin-Kurs von 50.000 auf 100.000 Euro steigt, kann sich der entgangene Gewinn wie ein Verlust anfühlen, auch wenn wir kein Geld verloren haben. Die nächste Chance wollen wir auf keinen Fall verpassen.

Geldanlage folgt anderen Regeln

Langfristig erfolgreiches Investieren funktioniert aber anders. Es ist eine Art konträre Kunst, bei der Abwarten und Passivität häufig zu besseren Ergebnissen führt als Aktionismus. Erfolg bei der Geldanlage ist weniger das Resultat einer genialen Investitionsidee oder des Kopierens einer vermeintlichen Erfolgsstrategie, sondern häufiger das Ergebnis, schlechte Entscheidungen zu vermeiden. Während in vielen Lebensbereichen Fortschritt mit Fleiß, Training und dem ständigen Erweitern der eigenen Leistungsgrenze einhergeht, folgt Geld anderen Regeln. Wer es schafft, über einen langen Zeitraum hinweg Entscheidungen möglichst frei von Emotionen wie Angst, Panik, Ego und Gier zu treffen, schafft eine wichtige Voraussetzung für Erfolg.

Wer dazu noch FOMO vermeidet, wird überdurchschnittlich belohnt. Die Fähigkeit, FOMO auszublenden, ist in der heutigen Zeit die vielleicht wichtigste Fähigkeit eines erfolgreichen Investors. Sie bewahrt uns davor, uns von kurzfristigen Hypes treiben zu lassen, und hilft uns dabei, unserer langfristigen Strategie zu folgen, auch wenn die Welt um uns herum scheinbar den Verstand verliert. Manchmal sind es gerade die Gewinne, die wir verpassen, und die Investments, die wir nicht tätigen, die sich rückblickend als die wichtigsten erweisen. Und ganz nebenbei schläft es sich auch ruhiger, wenn wir uns nicht ständig fragen müssen, ob wir gerade die nächste „Once-in-a-lifetime“-Gelegenheit verpasst haben.

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