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Die Hedonische Tretmühle: Warum mehr Geld nicht zwangsläufig glücklicher macht

Das Depot erreicht ein neues Allzeithoch. Der Kontostand wächst stetig. Und trotzdem bleibt das Gefühl, finanziell noch nicht angekommen zu sein. Laut dem Charles Schwab Modern Wealth Survey 2025 teilen mehr als die Hälfte aller Befragten genau dieses Empfinden, unabhängig von ihrem tatsächlichen Einkommen oder Vermögen. Die Verhaltenspsychologie hat für dieses Phänomen einen Namen: die hedonische Tretmühle.

Was ist die hedonische Tretmühle?

Wir beobachten die ausufernden Gehaltsverhandlungen von Profisportlern mit ungläubigem Kopfschütteln und fragen uns, ab welcher Millionensumme für diese Menschen endlich Zufriedenheit einsetzen müsste. Was wir dabei übersehen: Unsere eigene Situation folgt exakt demselben Muster. Unabhängig davon, wie viel Vermögen wir aufbauen oder welche finanziellen Meilensteine wir erreichen, verschieben wir die Messlatte meist unbewusst immer weiter nach oben. Das Gefühl von „Genug“ bleibt dabei allzu oft aus. Nicht weil wir zu wenig besitzen, sondern weil wir uns an das, was wir haben, zu schnell gewöhnt haben.

Der Denkfehler beim Vermögensaufbau

Viele Menschen sparen mit der Hoffnung, sich in Zukunft, um Geld keine Sorgen mehr machen zu müssen.

„Irgendwann werde ich finanziell frei sein und Zeit haben für die Dinge, die wirklich zählen.“

Auch wenn das Ziel erreicht wird sieht die Realität häufig anders aus.

Menschen streben seit jeher nach mehr. Wir passen uns neuen Lebensumständen erstaunlich schnell an. Dennoch sind wir oft fest davon überzeugt, dass bereits eine minimal bessere finanzielle Ausgangslage unser Leben spürbar verbessern würde. Allzu häufig wird diese Erwartung nicht erfüllt.

Denn was passiert, wenn unser Depot die 100.000-Euro-Marke überschritten hat? Kurze Freude, die schnell zum Normalzustand wird, und anschließend direkt der Blick auf die 200.000-Euro-Marke.

So funktioniert unser Gehirn, so sind wir programmiert. Was vor fünf Jahren noch wie ein unerreichbarer Traum erschien, fühlt sich heute selbstverständlich an.

Die Angst, Wohlstand zu verlieren

Paradoxerweise wächst mit zunehmendem Vermögen häufig auch die Angst, es wieder zu verlieren. In Umfragen unter wohlhabenden Menschen, darunter der CNBC Millionaire Survey, zeigt sich regelmäßig, dass die Sorge um den Erhalt des Vermögens zu den größten finanziellen Ängsten gehört.

Bei näherer Betrachtung ist das nachvollziehbar. Für Menschen, die ihr Vermögen selbst aufgebaut haben, repräsentiert jeder gesparte Euro Geduld, Fleiß und Disziplin. Die Sorge, durch äußere Umstände oder eigene Fehlentscheidungen alles wieder zu verlieren, ist daher allzu menschlich.

Fokussierungsillusion: Was Nobelpreisträger Daniel Kahnemann sagt

Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann bezeichnet den Denkfehler, das eigene zukünftige Glück systematisch zu überschätzen, als Fokussierungsillusion (focusing illusion):


“Nothing in life is as important as you think it is while you are thinking about it.”

Wenn wir auf ein Ziel hinarbeiten, blenden wir häufig alles um uns herum aus. Wir richten unsere gesamte Aufmerksamkeit auf das Endergebnis und überschätzen daher systematisch unsere Zufriedenheit bei der Zielerreichung. Häufig müssen wir feststellen: Unser Ziel verändert nur einen kleinen Teil unseres Alltags. Unsere Beziehungen, unsere Gesundheit oder der tägliche Arbeitsweg bleiben unverändert. Deshalb fällt die tatsächliche Zufriedenheit häufig geringer aus als zuvor erwartet.

Erlebendes Ich versus Erinnerendes Ich

Kahnemann unterscheidet zwischen zwei Versionen unseres Selbst: dem erlebenden Ich und dem erinnernden Ich. Das Problem: Große Lebensentscheidungen werden vor allem für das „erinnernde Ich“ für die Geschichte, die wir über unser Leben erzählen, getroffen. Das „erlebende Ich“ unser tägliches Wohlbefinden im Hier und Jetzt, profitiert davon weniger.

Gerade beim Vermögensaufbau zeigt sich dieser Unterschied deutlich: Es fällt leicht, sich ein glücklicheres Leben mit mehr Geld vorzustellen. Dabei vergessen wir häufig die Begleitumstände: Jahre des Sparens, Geduld, Verzicht und harte Arbeit. All das erlebt ausschließlich das erlebende Ich, während das erinnernde Ich später vor allem den erreichten Vermögensstand wahrnimmt.

Was wirklich hilft: Zufriedenheit im Hier und Jetzt

Die Konsequenz daraus ist nicht, auf Ziele zu verzichten. Vielmehr geht es darum, den Weg dorthin bewusster wahrzunehmen. Das bedeutet nicht, aufzuhören zu sparen oder finanzielle Verbesserungen anzustreben, sondern hin und wieder innezuhalten und sich bewusst zu machen, wie weit man bereits gekommen ist. Realistische Erwartungen an finanzielle Meilensteine zu entwickeln und zu erkennen, dass Zufriedenheit seltener eine Frage des Kontostands ist. Aber wie so häufig ist diese Erkenntnis leichter formuliert als gelebt. Das war vermutlich schon immer so und wird sich kaum ändern.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob sich das Hamsterrad auch morgen weiterdreht.

Die entscheidende Frage ist, ob wir irgendwann aufhören zu glauben, wir könnten den Wettlauf gewinnen.

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